Historisches Präsens


Bestimmt habt ihr den Terminus Präsens einmal gehört. Jeder Deutschlerner beginnt sein Abenteuer mit der deutschen Sprache eben mit dem Präsens. Deswegen weiß jeder, der einmal Deutsch gelernt hat, dass dieses Tempus gegenwärtige Sachverhalte ausdrückt. Es beschreibt also das, was gerade stattfindet.

Ihr werdet euch bestimmt wundern, dass Präsens nicht nur aktuelle Sachverhalte ausdrückt. Es ist nur eine der vier Bedeutungsvarianten dieses Tempus. In diesem Beitrag erkläre ich euch eine seiner vier Varianten, das allmählich in Vergessenheit gerät, – das historische Präsens.

Das Adjektiv historisch weist darauf hin, dass es sich hier um ein vergangenes Geschehen handelt. Das historische Präsens drückt nämlich in dieser Bedeutungsvariante vergangene Sachverhalte aus und wird besonders in Erzählungen, in Beschreibungen historischer Tatsachen und in der Dichtersprache als stilistische Figur eingesetzt. Die Autoren verwenden diese Bedeutungsvariante des Präsens, um eine Geschichte lebendiger erscheinen zu lassen.

Ihr könnt die Präsensvariante auch in der gesprochenen Sprache verwenden, wenn ihr jemandem eine ungewöhnliche Geschichte erzählt, die auf euch einen großen Eindruck gemacht hat. Historisches Präsens eignet sich sehr gut dafür. Unten ein Beispiel:

Weißt du, was ich gestern erlebt habe?! Hör mal, ich gehe in die Kneipe, setze mich an den Tresen und bestelle mir ein Gläschen Wein. Nach ein paar Minuten kommt ein Mann herein und setzt sich neben mich. Er schaut mich nur kurz an und sagt: … .

Die Geschichte könnt ihr jetzt selber zu Ende schreiben. Lasst ihrer Phantasie freien Lauf! :)

Bastian Sick hat dem historischen Präsens in der Zeitungssprache einen Artikel in seiner Zwiebelfisch-Kolumne gewidmet. Hier könnt ihr den interessanten Artikel lesen. Viel Spaß bei der Lektüre!


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