Deklination der Adjektive auf -el, -er, -en


I. STEIGERUNG

1. Adjektive auf –el

Bei diesen Adjektiven fällt im Komparativ (die zweite Steigerungsstufe) das e aus:

dunkel – dunkler (nicht: *dunkeler) – am dunkelsten

Das e fällt, wie ihr am obigen Beispiel sehen könnt, nur im Komparativ aus. Im Superlativ (die dritte Steigerungsstufe) bleibt der Vokal erhalten.

Ihr müsst noch auf die Adjektive mit Doppel-l aufpassen wie schnell und grell. In der gesprochenen Sprache sind sie von den Adjektiven auf –el (mit einem l) nicht zu unterscheiden. Die genannten Adjektive auf –ell folgen der regulären Steigerungsart:

grell – greller – am grellsten

2. Adjektive auf –er und –en

Bei den Adjektiven, die auf –er oder –en auslauten, kann der Vokal e im Komparativ ausfallen, insbesondere wenn der Endung ein Diphthong vorangeht. Das Wort kann bedeutet, dass man den Vokal entweder behalten oder tilgen kann. In der Umgangssprache wird auf den Vokal üblicherweise verzichtet.

Nehmen wir also die Adjektive heiter und bescheiden. Bei diesen Adjektiven steht vor der Endung –er kein Diphthong, deswegen können wir es folgendermaßen steigern:

a) Standardsprache: heiter – heiterer – am heitersten

bescheiden – bescheidener – am bescheidensten

b) Umgangssprache: heiter – heitrer – am heitersten

bescheiden – bescheidner – am bescheidensten

Wenn der Endung –er ein Diphthong vorangeht (wie bei sauer und teuer), wird der Vokal e im Komparativ sowohl in der Standardsprache als auch in der Umgangssprache getilgt:

sauer – saurer (nicht: sauerer) – am sauersten

teuer – teurer (nicht: teuerer) – am teuersten

Auch bei dieser Adjektivgruppe gibt es falsche Freunde. Die einsilbigen Adjektive schwer, leer, mehr (Komparativ von viel) werden regulär dekliniert. In diesem Fall ist die geschriebene Sprache trügerisch. In der gesprochenen Sprache hört man den Unterschied sofort. Bei den einsilbigen Adjektiven ist das e als langer, silbenbildender Vokal, der auf ein vokalisiertes r ausgeht (schwer – [ʃveːɐ̯]). Wenn man das e hier tilgen würde, könnte man das Wort gar nicht aussprechen. Bei den mehrsilbigen Varianten mir –er ist das e ein kurzer, unbetonter Vokal (ein Schwa-e), den man gar nicht ausspricht. Die Endung –er wird wie kurzes a ausgesprochen: lecker - [ˈlɛkɐ].

II. DEKLINATION

1. Adjektive auf –el

Bei diesen Adjektiven fällt das e sowohl in der Standard- als auch der Umgangssprache weg, wenn man daran eine Deklinationsendung anhängt:

ein dunkles Zimmer – eine dunkle Nacht – ein dunkler Raum – dunkle Blumen

das dunkle Zimmer – die dunkle Nacht – der dunkle Raum – die dunklen Blumen

Diese Regel betrifft die Adjektive mit auslautendem Doppel-l (grell, schnell) nicht. Wenn man das e bei diesen Adjektiven tilgen würde, würden sie zu unverständlichen Zungenbrecher.

2. Adjektive auf –er und –en

Für die Adjektive gilt dieselbe Regel wie bei ihrer Steigerung. Geht der Endung –er oder –en kein Diphthong voran, ist der Wegfall vom e fakultativ. Im anderen Fall (wie bei den Adjektiven sauer und teuer) muss man das e obligatorisch tilgen. Die Regel gilt nicht für die einsilbigen Adjektive mit einem langen e, auf das ein vokalisiertes r folgt (wie schwer, leer, mehr usw.)

a) Standardsprache:

ein heiterer Tag – eine lockere Schraube – ein leckeres Essen – tapfere Menschen

ein zufriedener Kunde – eine verlorene Tasche – ein bescheidenes Mädchen – goldene Ringe

b) Umgangssprache

Obwohl dies möglich ist, wird das e in der Umgangssprache nicht immer getilgt. Der Grund dafür ist nämlich, dass sich das nicht so schön anhört. Ein leckeres Essen hört sich besser an als leckres Essen. Auch die Form tapfere Menschen klingt schöner als tapfre Menschen. Aber im Falle von heiter hören sich beide Formen (die standardsprachliche und umgangssprachliche) gut an: ein heiterer Tag und ein heitrer Tag.

#Adjektiv #Deklination #Komparativ #Superlativ #Positiv #Standardsprache #Umgangssprache #Steigerung

660 Ansichten

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen