Nirgendwo, nirgendwoher, nirgendwohin


Vor ein paar Tagen habe ich die Graphik mit den Negationswörtern veröffentlicht:

Und heute habe ich die erste Wortschatzfrage von meinem Follower gestellt bekommen. Es handelt sich um die drei Adverbien nirgendwo, nirgendwoher, nirgendwohin. Die Frage war eben, wie man diese Adverbien gebraucht.

Ich beginne zuerst mit einer kleinen Einführung. Die drei Adverbien sind Lokaladverbien, d.h. sie geben uns die Auskunft über die Lage eines Objekts oder einer Person an.

In jedem dieser Adverbien versteckt sich ein Wort, das ihr bestimmt kennt: wo, wohin, woher. Diese Wörter sind Frageadverbien (W-Wörter), die man dazu verwendet, eine Ergänzungsfrage zu bilden. Im Deutschen gibt es auch andere Adverbien, die diese Fragepronomina als zweites Glied enthalten: irgendwo, irgendwohin, irgendwoher. Alle drei Gruppen haben vieles gemeinsam, deswegen werde ich sie alle der Reihe nach besprechen.

1. wo - irgendwo - nirgendwo

Wo ist die Tasche?

Die Person fragt nach dem Ort, wo sich die Tasche befinden könnte.

Die Tasche ist irgendwo.

Die Person beantwortet zwar die Frage, sagt aber nichts Genaueres über die Stelle, an der sich die Tasche befinden könnte. Pragmatisch gesehen ist die obige Aussage von keinem Nutzen, da irgendwo einfach ein zu breiter Begriff ist. Deswegen wird das Adverb öfter in Verbindung mit einer anderen (genaueren) lokalen Adverbialbestimmung gebraucht, um die Lage eines Objekts oder einer Person genauer zu bestimmen:

Die Tasche ist irgendwo in diesem Zimmer.

In diesem Satz gibt die Person zwar keinen genauen Platz an wie zum Beispiel auf dem Tisch oder neben der Tür, schränkt aber die zu breite Bedeutung von irgendwo ein, sodass man es schneller finden kann. Schaut ihr euch auch den folgenden Satz an:

Sie wohnt irgendwo in Berlin.

Dank dieser Aussage wissen wir, dass die Frau in Berlin wohnt, was eine relativ nützliche Information darstellt. Wir haben jedoch keine Auskunft darüber, in welcher Straße oder zumindest in welchem Stadtviertel sie lebt. Die Wendungen mit irgendwo sind also immer mehr oder weniger unpräzise.

Ich habe hier lange gesucht. Ich kann sie hier nirgendwo finden.

Das Adverb nirgendwo bedeutet, dass es etwas oder jemanden gar nicht gibt. In Verbindung mit einer anderen lokalen Adverbialbestimmung wie hier kann man genauer bestimmen, wo sich eine Sache oder eine Person (mit Sicherheit) nicht befindet. Ohne diesen Zusatz ist eine Aussage manchmal unnützlich.

II. wohin - irgendwohin - nirgendwohin

Wohin fährst du?

Dank dem Fragepronomen wohin kann man nach einer Richtung fragen, in welche sich eine Sache oder eine Person bewegt.

Ich fahre irgendwohin.

Dieses Adverb gibt uns keine genauere Richtung an, deswegen gebraucht man es öfter in Verbindung mit einer anderen lokalen Adverbialbestimmung (,wenn man natürlich Bescheid weiß):

Sie ist irgendwohin nach Afrika geflogen.

In den Ferien ist er nirgendwohin gefahren. Er ist zu Hause geblieben.

Das Adverb nirgendwohin informiert uns darüber, dass sich jemand oder etwas in keine Richtung bewegt oder mit anderen Worten: dass eine Sache oder eine Person an demselben Ort geblieben ist.

III. woher - irgendwoher - nirgendwoher

Woher weht der Wind?

Dank dem Fragepronomen woher kann man danach fragen, von welchem Ort oder aus welcher Richtung jemand oder etwas sich bewegt.

Der Wind weht irgendwoher.

Das Adverb gibt uns keine genaue Auskunft darüber, aus welcher Richtung sich etwas oder jemand bewegt. Wenn man also Bescheid weiß, sollte man dieses Adverb um eine präzisere Adverbialbestimmung ergänzen:

Sie kommen irgendwoher aus dem Süden.

Sie hat von nirgendwoher Hilfe bekommen.

Das Adverb nirgendwoher bedeutet, dass sich etwas oder jemand von keinem Ort oder von keiner Richtung sich bewegt bzw. kommt. Den obigen Satz kann man auch folgendermaßen umschreiben:

Sie hat von niemandem Hilfe bekommen.

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