Die wenig bekannte Bedeutung eines Partizips


Ihr habt bestimmt schon bemerkt, dass ich großes Gefallen an unterschiedlichen sprachlichen Kompliziertheiten habe. Als ich noch die ersten Schritte im Deutschlernen machte, richtete ich meine Aufmerksamkeit in erster Linie auf jegliche grammatischen oder lexikalischen Spitzfindigkeiten und Subtilitäten.

Heute bringe ich die partizipiale Form getroffen aufs Tapet.

Auf den ersten Blick denkt man sich: Es ist offensichtlich - getroffen ist das Partizip II von treffen. Volltreffer! Das Verb treffen ist eines der ersten Verben, das man lernt. Zuerst die irregulären Präsensformen mit dem Vokalwechsel e/i (du triffst, er/sie/es trifft) und dann die irregulären Vergangenheitsformen (Präteritum traf und Perfekt getroffen).

Habt ihr aber gewusst, dass es in der deutschen Sprache ein anderes Verb gibt, dessen Partizip II genauso klingt? Es geht um triefen. Hier könnt ihr die Bedeutung nachschlagen.

Triefen ist ein äußerst interessantes Verb auch aus einem anderem Grund. Es verfügt über zwei Präterital- und Partizipialformen: eine regelmäßige oder unregelmäßige.

Die regelmäßigen Konjugationformen: triefen triefte getrieft

Die unregelmäßigen Konjugationsformen: triefen troff getroffen

Es ist ein Mischtyp, bei dem die Konjugationsformen, sowohl die regelmäßigen als auch die unregelmäßigen, ohne Bedeutungsunterschied verwendet werden können. Ihr müsst aber folgendes im Hinterkopf behalten: Die regelmäßigen Formen sind jünger und häufiger, wobei die irregulären meist auf die gehobene Sprache beschränkt sind.

Zum Schluss lest noch die Beispiele unten, um mit dem Verb vertraut zu werden.

PRÄTERITUM

Seine Stirn triefte vor Schweiß.

Seine Aussage triefte vor Ironie.

Seine Hände troffen von Blut.

Der Angeklagte troff vor Angstschweiß.

PERFEKT

Mein Hut hat vom Regen getrieft.

Sein Beitrag hat von Sarkasmus getrieft.

Aus der Wunde hat reichlich Blut getroffen.

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