gewöhnen - immer reflexiv gebraucht?

Aktualisiert: 5. Okt 2019


Letzte Woche hatte ich einen netten E-Mail-Austausch mit Petru, den ich auch hier herzlich begrüße. Er hat mich gefragt, ob man gewöhnt immer mit dem Reflexivpronomen verwenden sollte. Ich dachte mir, dass sich diese Frage sehr gut dazu eignet, sie in einem Blogeintrag zu beantworten.


Lass uns aber wie immer ab ovo beginnen! :)


gewöhnt ist das Partizip II von dem regelmäßigen Verb (sich) gewöhnen. Das Reflexivpronomen habe ich in den runden Klammern geschrieben, da das Verb sowohl reflexiv (mit dem Reflexivpronomen) als auch nicht reflexiv gebräuchlich ist:


1. Man kann jemanden/etwas an etwas (Akk) gewöhnen (d.h. jemandem etwas beibringen oder jemanden mit etwas vertraut machen)

2. Man kann sich an etwas (Akk) gewöhnen (d.h. mit etwas vertraut werden).


Schaut euch jetzt die Beispiele an:


1. Irgendwann sollte der Hund auch mal eine kurze Zeit alleine zu Hause bleiben können. Das geht problemlos, wenn man ihn daran gewöhnt.

2. Man hat sich daran gewöhnt, alles im Internet zu finden.


Im Deutschen gibt es aber auch eine andere Möglichkeit zu sagen, dass man mit etwas vertraut ist. Dazu dient die Konstruktion mit dem Verb sein: an etwas (Akk) gewöhnt sein. Sie ist aber nicht reflexiv!


Verwechselt also die beiden Konstruktionen nicht:


sich an etwas (Akk) gewöhnen (d.h. mit dem Reflexivpronomen)

Wir haben uns daran gewöhnt, von allen Seiten mit Nachrichten überschüttet zu werden. (Perfekt)

Inkorrekt: *Wir haben daran gewöhnt, (...)


an etwas (Akk) gewöhnt sein (d.h. ohne das Reflexivpronomen)

Wir sind daran gewöhnt, unter großem Druck zu arbeiten. (Präsens)

Inkorrekt: *Wir sind uns daran gewöhnt, (...)


In der Graphik unten findet ihr eine Zusammenfassung:

Hast du eine Frage? Schreib mir eine E-Mail an deutsch.ist.einfach.super(at)gmail.com!

#Reflexivpronomen #gewöhnt #Verb

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