Die drei Bedeutungen von <wer>


I. wer als Fragepronomen

Alle Deutschlernende wissen bestimmt, dass wer zu den Fragepronomina zählt. In der Schulgrammatik spricht man auch von den sog. W-Wörtern. Zu dieser Gruppe gehören alle Fragepronomina, die mit dem Konsonanten w anlauten. Dank diesem Pronomen kann man nach einer oder mehreren Personen fragen. Unten findest du das Deklinationsmuster des Pronomens mit Beispielssätzen:

N. Wer hat meine Schlüssel versteckt?

G. Wessen Telefonnummer ist das?

D. Wem haben sie geholfen?

Akk. Wen hat er gemeint?

Es hat aber zwei andere Bedeutungen, die ich unten detailliert beschrieben habe. Es lohnt sich, sie auswendig zu lernen, da sie im Deutschen immer noch produktiv sind.

II. wer als Relativpronomen

Relativpronomina leiten Relativsätze ein. Du weißt bestimmt, dass der bestimmte Artikel auch als Relativpronomen im Satz vorkommen kann:

Die Frau, die ich gestern gesehen habe, wohnt in dieser Gegend.

Der mit einem Relativpronomen eingeleitete Nebensatz bezieht sich auf das im Hauptsatz genannte Substantiv (Subjekt, Objekt oder das substantivische Teil einer Adverbialbestimmung).

Auch wer kann dazu dienen, Relativsätze einzuleiten. Der Unterschied zum bestimmten Artikel liegt aber darin, dass der mit wer eingeleitete Nebensatz sich auf den ganzen Hauptsatz (und nicht auf ein konkretes Substantiv darin) bezieht:

Wer den Wind sät, wird Sturm ernten.

Wer mit den Wölfen heult, wird Wolf.

Wem die Sonne scheint, fragt nicht nach den Sternen.

Oft kommt in dem Hauptsatz der bestimmte Artikel der als Korrelat vor.

Wen die Götter lieben, der stirbt jung.

Wer niemals anfängt, der wird auch nie etwas zustande bringen.

Mit wem man umgeht, dessen Sitten nimmt man nach und nach an.

Verwechsle nicht die obige Verwendung von wer mit der folgenden:

Es geht um die Frage, wer die Macht hat.

Ich weiß nicht, wen ich sonst fragen könnte.

Hier handelt es sich um indirekte Fragen, also diejenigen Fragen, die in Form eines Nebensatzes geäußert worden sind. In dieser Verwendung ist wer ein Fragepronomen.

Wenn du das Problem hast, die Funktion des Pronomens wer in einem Nebensatz zu bestimmen (ein Relativ- oder Fragepronomen?), dann greif auf diese Ersatzprobe zurück: Ersetze das Pronomen mit der Phrase die Person, die (in der korrekten Deklinationsform!). Wenn der Satz ungrammatisch wird, dann handelt es sich um indirekte Frage. Du kannst auf die Probe verzichten, wenn du in dem Hauptsatz ein Korrelat siehst, denn es handelt sich in diesem Fall hundertprozentig um ein Relativpronomen.

Die Person, die den Wind sät, wird Sturm ernten. (grammatisch -> Relativpronomen)

Die Person, der die Sonne scheint, fragt nicht nach den Sternen. (grammatisch -> Relativpronomen)

Es geht um die Frage, die Person, die die Macht hat. (ungrammatisch -> Fragepronomen)

III. wer als Indefinitpronomen

In dieser Verwendung weist das Pronomen zwei Bedeutungen auf: (irgend)jemand und jemand Besonderes.

Vielleicht hat ja wer Interesse daran! (= jemand)

Ein paar Jahre lang hat er sich von früh bis spät abgerackert. Aber jetzt ist er wer! (= jemand, der es zu etwas gebracht hat)

Beachte aber dabei, dass wer und (irgend)jemand bzw. jemand Besonderes nicht austauschbar verwendet werden können. wer als Indefinitpronomen kann nur im Satzinneren gebraucht werden (, um es mit dem Fragepronomen wer nicht zu verwechseln). Am Satzanfang verwende also nur (irgend)jemand bzw. jemand Besonderes.

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